Presse: LVZ am 15.01.2019

In der Leipziger Volkszeitung erschien am 15.01.2019 folgender Artikel des Autoren Maximilian König:

"Neuer Name, altes Ziel"

Das SommerOrchester heißt jetzt Sinfonia Leipzig und spielt ganzjährig - Premiere in der Peterskirche

Wenn das Orchester am Mittwochabend erstmals unter dem Namen „Sinfonia Leipzig“ in der Peterskirche zusammenkommt, soll sich eine Frage fortan endlich erledigt haben: die nach ihrem Namen: Das freie Ensemble hat sich 2015 ursprünglich als „SommerOrchester“ gegründet, angetreten um das Loch in der Jahresmitte zu füllen, in dem sich die Kulturorchester in der Spielpause befinden. Weil ihre sommerlichen Auftritte im Johanna-Park oder bei den Classic Open jedoch weitere Anfragen nach sich zogen, spielten sie auch in den anderen Jahreszeiten, zuletzt im Club „So&So“ im nasskalten Dezember. Und provozierten dabei von Veranstaltern immer wieder die Frage: Könntet ihr nicht unter einem anderen Namen auftreten? „SommerOrchester“ passe halt nur im Sommer.
Nun wagt das Orchester einen Neuanfang als „Sinfonia Leipzig“ mitsamt eigener Konzertreihe in der – allen Missverständnissen sei vorgebeugt – Sinfonien gespielt werden. Zum morgigen Auftakt Schuberts Fünfte und Dvoráks Neunte, folgen sollen Beethoven, Schumann, Brahms – „die großen Kracher“, wie Posaunistin Julia Nagel ankündigt.
Die 31-Jährige Absolventin der Hochschule für Musik und Theater (HMT) kümmert sich um Anfragen und koordiniert die Auftritte der überwiegend frei arbeitenden Musiker: ein Pool von rund 100 Leuten, die Nagel jeweils mit Musikinstrument in ihrem Adressbuch gespeichert hat, „damit gleich klar ist, wer anruft.“
Nagel hat nach ihrem Abschluss 2014 in diversen Orchestern Mitteldeutschlands gespielt, nebenbei unterrichtet sie. Mit weiteren Freien hatte die 31-Jährige vor vier Jahren die Idee fürs SommerOrchester, da man im Gegensatz zu festangestellten Kollegen im Sommer „einfach gar nichts“ verdiene: die Orchester in der Spielpause, die Musikschulen in den Ferien – Flaute allenthalben.
Die neue ganzjährige Konzertreihe der Sinfonia Leipzig soll für die Beteiligten zu einem festen Standbein werden. Zwar wurde das Orchester in den letzten Jahren regelmäßig engagiert, bisweilen waren jedoch Kompromisse hinsichtlich der Gage nötig, zuweilen kam eine Spendenbox für das Spiel auf. Mit der eigenen Reihe soll das nun besser werden – dafür treten die Musiker beim ersten Konzert in Vorleistung, ein Großteil der Einnahmen soll für den nächsten Auftritt Ende April gespart werden.
Die Frage nach der Daseinsberechtigung eines weiteren Orchesters in der Messestadt lächelt Nagel weg. „Es kann nicht zu viel Musik in der Stadt geben.“ Eine Konkurrenz durch andere freie Orchester wie die Philharmonie Leipzig, sieht sie ebenso wenig: „Da habe ich auch schon mitgespielt.“
Für Abgrenzung zu anderen Klangkörpern sorgten in der Vergangenheit weniger Stücke, sondern mehr die Spielorte. So traten die Musiker neben dem „So und So“ („Hänsel & Gretel“, Humperdinck) in der Krypta des Völkerschlachtdenkmals („Deutsches Requiem“, Brahms) oder im Panometer („Don Giovanni“, Mozart) auf. Zuweilen kommen sie gar zu ihrem Publikum nach Hause, quetschen sich in Wohnungen, die Zuhörer stehen mittendrin, wippen mit der Bierflasche zur Musik und sagen: „Wagner ist schon geil.“
Und so ändert sich die Zielgruppe des Ensembles mit der Umtaufung auch nicht: „Wir wollen diejenigen gewinnen, die bisher keine Berührung mit klassischer Musik hatten. Klassik könnte wesentlich mehr Fans haben, wenn ein jüngeres Publikum angesprochen würde.“
Die Peterskirche in der Südvorstadt soll als fester Spielort dazu beitragen, ein gemischtes Publikum anzuziehen. Der Altersdurchschnitt des Orchesters ist ebenfalls niedrig, viele Mitglieder kommen von der HMT, darunter auch internationale Studierende. Dirigent ist der 32-jährige USAmerikaner Christian Lade, der sich erste Sporen am Görlitzer Gerhart Hauptmann- Theater verdiente.
Damit es keinen Unfrieden innerhalb der Gruppe gibt, achtet Nagel auf eine gerechte Verteilung der Auftritte, jeder soll bei den etwa zehn Konzerten im Jahr zum Zug kommen. Viel Zeit zum Üben bleibt dem Orchester oft nicht; für die Premiere am Mittwoch kommen die 45 Musiker am Dienstag für zwei Proben zusammen.
Zwar wurde in den sozialen Netzwerken ordentlich für das erste Sinfoniekonzert getrommelt, die Namensänderung mit einer Abstimmung und einem Crowdfunding begleitet – der Vorverkauf verlief dennoch schleppend. Trotzdem sieht Nagel dem Auftritt optimistisch entgegen und hofft auf die Abendkasse. Die gebürtige Radebeulerin fürchtet nur eines seit jeher: Dass einer der Musiker am Konzerttag abspringen könnte – und sich kein Ersatz mehr finden lässt „Da schaut man schon zitternd aufs Display, wenn kurz vorher ein Anruf kommt.“ Passiert sei das aber zum Glück noch nicht. Wenig später klingelt ihr Handy – prüfender Blick: „Die Oboe ruft an.“

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